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  • Rosa

Äpfel mit Birnen vergleichen


Wenn man mich fragt auf welchen Typ Mann ich stehe, dann würde ich schamlos behaupten es sind die, die gut aussehen, schöne Hände haben und gepflegt sind. Eigentlich sind es genau die, die sich im Tchibo Werbespot halb nackt in weißer Bettwäsche räkeln, während die Sonne auf ihren braungebrannten Körper scheint und es nach Croissants duftet.

"Aber es sind doch die inneren Werte die zählen!", murkst du auf. Hand aufs Herz. Stell dir vor du bist im Supermarkt und möchtest Äpfel kaufen. Es sind noch genau zwei da. Einer davon hat eine Delle, der andere ist makellos. Welchen nimmst du? Eben. Manchmal liegen Dating und Shopping verdammt nah beieinander. Du nimmst den perfekten und das wohl in dem Wissen, dass beide gleich schmecken mögen. Schneewittchen ist auch auf den perfekten Apfel hereingefallen - und dann erstickt. Und was haben wir von ihr gelernt? Kleine Männer bringen's nur, wenn es sieben an der Zahl sind. Falsch, wenn der Apfel nur von außen gut aussieht, aber innen giftig ist, hilft er dir auch nicht weiter. Warum jetzt der ganze Apfel Text?

Als ich auf Bali war, haben dort zwei Typen Urlaub gemacht, die ich aus Berlin kenne. Zeitweise hatte das etwas Klassenfahrtcharakter, nur ohne heimliche Knutscherei. Die zwei sind wie Ernie und Bert. Nicht ganz. Sie sind nicht schwul. Ich hab's getestet. Nur bei einem. Man will ja nicht gierig sein.

Also dieser Typ ist wie ein saftig, süßer, roter Apfel. Ja, ich weiß, dass der auch ein paar mehlige Stellen hat. Z. B. könnte man hin und wieder meinen er ist nicht der Apfel, sondern das Schneewitchen, jedenfalls wenn er seinen Willen nicht bekommt. Aber wir sind hier nicht bei Walt Disney, sondern in der Realität und ich habe auch ein paar Macken. Kleine. Ganz kleine. So klein, die ....na gut. Eine ist, dass ich mich neben ihm manchmal wie eine ditschige Birne fühle. Dann denke ich an Alin Coen und sage mir "Ich habe Beulen und Dellen, aber an manchen Stellen da sehe ich noch ganz gut aus". Ich will den Apfel gar nicht auf einen Sockel heben und mich runterreden. Ich habe mit Sicherheit ein gesundes Selbstbewusstsein und wie sagt meine Oma immer: Schönheit liegt im Auge des Betrachters! Wie ich nun herausfand liegt da bei mir aber gerade nicht nur Schönheit, sondern auch ein Gerstenkorn. Wirklich?!? Das verdammte Jahr hat 365 Tage. Die zwei sind 10 davon auf Bali und ich bekomme genau jetzt ein Gerstenkorn! Ich fühle mich wie Karl Dall! Wie das hier so ist auf Bali mit der ganzen spirituellen Energie, Balance und Ausgeglichenheit bekomme ich auf der anderen Seite auch noch einen Pickel. Danke. Danke, liebes Universum!

Glücklicherweise bin ich 31 und nicht mehr 15. Das heißt es kratzt mich zwar - im wahrsten Sinne des Wortes - aber ich weiß, dass kein Mensch perfekt ist. Weder innerlich noch äußerlich. Was mich noch viel mehr kratzt, dass ich plötzlich den Druck habe auch perfekt zu sein und dabei gibt es nichts was mir weniger liegt. Obwohl wenn ich es richtig betrachte, dann habe ich für mich einen Weg gefunden mich auch mit Fehlern und Schwächen zu mögen. Meine eigene Perfektion zu schaffen. Die hat aber ständig blaue Flecken, vom Sport oder weil sie irgendwo gegenläuft, trägt auch mal Nagellack der abgesplittert ist und will hemmungslos crunchy Erdnussbutter löffeln, ohne sich Gedanken um Pickel oder Gewicht zu machen und das sind nur ein paar Dinge.

Was hingegen ganz perfekt funktioniert ist, dass ich es immer schaffe etwas positives zu finden. Selbst an den beschissensten Dingen wie einem Gerstenkorn. Was an einem Gerstenkorn positiv sein kann? Monate vorher, ok vielleicht nicht Monate, aber Wochen vorher habe ich auf Tinder mit einem Typen geschrieben, aber ihn nie getroffen. Er war dann doch irgendwie sehr motiviert und hat einen Flug nach Bali gebucht - meine Idee war das wirklich nicht. Schon bevor er ankam war ich genervt von ihm. Er ist Arzt und hatte leider kein anderes Thema. Als er sagte, er sei noch nie für ein Tinderdate um die halbe Welt geflogen ist mir direkt der Salat im Hals stecken geblieben. Da wusste ich, dass ich nun härtere Geschütze auffahren muss. Ich drehte meinen Kopf und versuchte ihn nur noch mit meinem Matschauge anzuschauen, während ich ihm erklärte, dass er nicht zum Daten, sondern Urlaub machen auf Bali sei. Dann zwinkerte ich mehrmals, um dem ganzen mehr Gerstenkorngewicht zu geben. In diesem Moment war ich tatsächlich froh darüber mich wie eine matschige Birne mit Karl Dall Auge zu fühlen.


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