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In your face!

October 23, 2017

 

 

Ich hatte ein In-your-face-Wochenende. Eigentlich hat es schon vor dem Wochenende angefangen. Am Mittwoch prangte ein fetter Herpes-Eiter-Fleck in meinem Gesicht. Verzweifelt habe ich Internetforen durchsucht, mir Tabletten, Cremes und Pflaster gekauft, um ihn loszuwerden. Als mir klar wurde, dass er sich nicht bis Samstag verabschieden würde und wir noch eine Weile Zeit miteinander verbringen würden, beschloss ich ihm einen Namen zu geben. Herpert.

Wenn nötig würde ich ihn rot einkringeln, mit Glitzer verzieren und einfach dazu stehen. Schließlich soll man seinen Körper lieben wie er ist und meiner war nun um einen Herpert reicher. 

 

Samstag Mittag war ich mit einer Lieblingsfreundin am Savigny Platz. Wir saßen im Auto, als ich dich plötzlich sah. Mit einer anderen Frau. Ich vermute, du hast uns auch gesehen. Oder du hast spontan einen steifen Nacken bekommen. Plötzlich hat sich dein Körper krampfhaft nach links gedreht, um nicht direkt ins Auto zu schauen. Ich habe erst einen Lachanfall, dann Herzklopfen bekommen, bin knallrot geworden und habe versucht, mich zwischen den Beinen meiner Freundin zu verstecken. Sinnlos, da das Auto dadurch nicht unsichtbar wird. Die Frau neben dir sah ganz anders aus als ich. Sie hat braune lange Haare, ist jünger, hat ganz dünne Beine und einen schlechten Kleidergeschmack. Ein bisschen fand ich das doof. Ich hätte es cooler gefunden, wenn die richtig gut ausgesehen hätte. Obwohl ich weiß, dass du andere Frauen datest, ist es was anderes, wenn man live dabei ist. Einfach ein merkwürdiges Gefühl. Keine Eifersucht, Wut oder Trauer. Mehr ein Es-geht-weiter-Gefühl. Für uns beide. Dass es für dich weitergeht, wusste ich schon vorher. Vor ein paar Tagen war ich mit ein paar Leuten was trinken. Wir haben uns lange nicht mehr gesehen und Neuigkeiten ausgetauscht. Dabei ist auch dein Name gefallen und auch, dass du Schluss gemacht hast. Luisa, eine große, attraktive Single Frau mit langen braunen Haaren wollte dann ein Foto von dir sehen. Ich wusste nicht warum, weil du ja jetzt Geschichte bist, aber egal. Nachdem ich ihr dann ein Foto gezeigt habe und sie dann noch eins und noch eins sehen wollte, rief sie plötzlich aus "Ich hab ein Tinder Match mit deinem Ex". Tja, wie klein die Welt doch manchmal ist. In deiner Welt scheint es jedenfalls keine blonden Frauen mehr zu geben.

 

Der restliche in-your-face-Samstag war lustig. Ich habe mit Freunden viel Pizza gegessen, Wein getrunken und dann sind wir im Ritter Butzke gelandet. Ich kann mich noch erinnern, dass ich mich mit einem Typ unterhalten habe, den ich attraktiv fand. Wir haben auch die Nummern ausgetauscht. Weil ich ihn so hübsch fand, würde ich ihm eigentlich gern schreiben, aber leider bin ich mir nicht mehr ganz sicher, ob wir uns auf englisch oder deutsch unterhalten haben. Geschweige denn worüber. Woran das liegen kann, ist mir noch unklar. Variante 1: Ich hatte einen kleinen Schwips. Variante 2: Ich bin mit meinen durchgestylten Hipster-Szene-Freunden so international unterwegs, da kann einem das schon mal passieren. Ich tendiere zum Schwips. Ich hoffe ganz stark, dass es ihm nicht so geht und er sich noch bei mir meldet. Egal auf welcher Sprache.

 

Vom Ritter Butzke sind wir zur Engtanz Party. Da war es um einiges später, wir nur noch zu zweit, aber nicht weniger motiviert. Auf der Tanzfläche habe ich die Affäre gesehen. Wir kennen uns seit vier Jahren und schlafen gelegentlich miteinander. Ich mag den Sex und vor allem seinen Geruch. Für mich sah es aus, als würde er mit einer Frau tanzen, da wollte ich nicht stören. Ich wollte auch nicht direkt zu ihm und seinen Freunden. Ich kenne weder seine Freunde, noch kennt er meine. Wie man merkt, wusste ich nicht so richtig, wie man sich nun begrüßen sollte. Im Endeffekt haben wir nur ein paar Meter entfernt getanzt, allerdings ist das auf einer vollen Tanzfläche auch eine wirklich schwer zu überbrückende Distanz. Meine Freundin hat dann mit einem Typen getanzt und wie aus dem Nichts ich auch. Groß, breite Schultern, klares Gesicht und Spanier. Die Tanzfläche leerte sich, dann war die Affäre gar nicht mehr so weit weg und ich dachte, dass ich ja jetzt einfach mal "Hallo" sagen könnte, sonst ist das doch komisch. Mittlerweile hat er auch nicht mehr mit einer Frau getanzt und ich hatte nicht das Gefühl, ich könnte stören. Also meinte ich zum Spanier, dass ich da jemanden kenne und mal "Hallo" sagen gehe. Naja aus meinem "Hallo" wurde ein "Wollen wir was trinken?" Die Affäre hat mich nicht einmal richtig angesschaut und "Nein" gesagt. Da war anscheinend ein bisschen schlechte Stimmung, das ist auch bei mir angekommen. Irgendwie war mir aber unbegreiflich, dass er jetzt nichts trinken möchte. Ich dachte, ich müsse vielleicht einfach einen konkreteren Vorschlag machen. Kann ja sein, dass er sich einfach nicht entscheiden kann. Also habe ich ihn gefragt, ob er Tequila trinken will. Er hat mich nicht angeschaut. Wieder eiskalt "Nein" gesagt und sonst nichts. Das Gute daran ist, dass er so wenigstens nichts von Herpert mitbekommen hat. Ich habe ihn gefragt, ob das sein Ernst sei, woraufhin er mich ignoriert hat. Und das hat gesessen. Meine Freundin habe ich nicht mehr gefunden, nur noch meine Sachen geholt und mich ins Taxi gesetzt. Ich habe mich gefragt, warum er sich so verhalten hat und finde dafür keine Erklärung. Natürlich hätte ich mich auch einfach umdrehen und mit dem Spanier was trinken gehen können, aber das war nicht mein Ziel. Außerdem habe ich mich in diesem Moment zurückgewiesen und gedemütigt gefühlt. Ich weiß nicht, aus welchem Grund er das gemacht hat und vermutlich werde ich es auch gar nicht mehr rausfinden. Vielleicht hat es ihm einen Kick gegeben, mich abzuweisen und mir einen Korb zu geben. Mich hat es verletzt. Es ist nicht so, dass wir enge Freunde sind, aber ich dachte, dass wir uns schätzen und respektieren. Ich mag in meinem Umfeld keine Menschen, die mir absichtlich ein schlechtes Gefühl geben. Was wäre, wenn wir uns besser kennen würden? Jemanden besser zu kennen bedeutet auch, die Schwächen zu kennen und damit noch mehr angreifen und verletzten zu können. Wie könnte ich mich jemandem bedingungslos öffnen, wenn ich weiß, dass er in einer Situation, in der ich versuche mir Mühe zu geben und über meinen Schatten zu springen, so gemein zu mir war. Vielleicht bin ich auch empfindlich, weil ich davon in den letzten Wochen genug hatte und meine Grenze, mit Ablehnung uhd Zurückweisung umzugehen, nun erreicht ist. Ich bin selbst überrascht, wie sehr mich das getroffen hat. Vielleicht mag ich ihn doch mehr, als ich eigentlich gerade möchte. Vielleicht ist es auch nur mein Ego. Oder eine Mischung. Ich weiß, dass man sich beide Seiten anhören sollte und es lässt mir keine Ruhe, also habe ich ihm am nächsten Tag geschrieben und gefragt was los war. Eine Antwort gab es nicht. Daran merke ich, wie unwichtig es für ihn zu sein scheint. Ich würde ihm gern sagen, dass ich nicht weiß, was ich getan habe. Irgendwas muss ja passiert sein, sonst hätte er sich nicht so verhalten. Jedenfalls glaube ich, ihn so gut zu kennen. Er hat mir fast das Gefühl gegeben, er sei angewidert. Diese Art der Ablehnung und Zurückweisung hat mich verletzt. Es macht mich traurig, weil ich dachte, mittlerweile haben wir so viel Vertrauen zueinander, dass wir auch darüber reden könnten und ich es schade fände, wenn wir uns nicht mehr sehen. Aber vielleicht ist er auch einfach nur ein Arschloch und ich habe es vorher nicht gemerkt.

 

Am Ende bin ich nicht allein nach Hause gegangen, sondern mit Herpert. Am nächsten Tag hat sich noch ein Gerstenkorn dazugesellt. Gerstin. Ich hab das Gefühl, sie werden mich noch eine Weile begleiten - in my face!

 

 

 

 

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