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30

October 30, 2017

 

 

 

Als Kind dachte ich, dass alle Menschen später eine glückliche Familie, immer Geld und eine schöne Wohnung oder ein Haus haben. Mit 5 Jahren habe ich gemerkt, dass das so einfach nicht sein kann. Damals schon erschien mir die Sache mit den Jungs etwas komplizierter zu werden. Trotzdem war ich fest davon überzeugt, wenn ich erwachsen bin, dann habe ich auch eine Familie, einen tollen Job und ein großes schönes Haus. Nur wann bin ich endlich erwachsen? Mit 14 dachte ich, dass ich mit 18 erwachsen bin. Ist ja klar, dann darf man Auto fahren, Alkohol kaufen und rechtskräftig Verträge unterschreiben. Mit 18 dachte, ich dass es mit 25 dann mal soweit sein sollte. Wenn ich dann richtig im Berufsleben stehe und meinen Traumann getroffen habe. Mit 25 habe ich mein Leben auf den Kopf gestellt. Da hatte ich zwar noch den Mann, aber den Job nicht mehr. Ich dachte aber frohen Mutes mit 30 wird's doch wohl endlich mal so sein. Jetzt bin ich 29, gerade fertig mit dem Studium, auf der Suche nach einem festen Job und mein Freund hat mit mir Schluss gemacht. Ich fühle mich jetzt nicht erwachsener, als vor fünf Jahren. Der Gedanke, mich um eine Familie zu kümmern, treibt mir eher Schweißperlen auf die Stirn, als Freudentränen in die Augen. Geschweige denn davon, dass ich gar nicht wüsste mit wem. Als meine Eltern in meinem Alter waren, hatten sie ein richtiges Erwachsenenleben. Beide fest im Job verankert, selbständig, gerade eine Familie gegründet und für eine schöne Wohnung gesorgt. Da musste sich niemand noch mal schnell selbst verwirklichen oder irgendwas an sich optimieren, da gab es andere Sorgen. In meinem Umfeld planen Leute seit Monaten ihren 30. Geburtstag, als wäre es der letzte. Weder für meinen Vater, noch für meine Mutter, war das ein besonderes Ereignis. Sie können sich nicht einmal daran erinnern, was sie an ihrem 30. Geburtstag gemacht haben. Für Leute meiner Generation scheinen da andere Richtlinien zu gelten. Der bevorstehende 30. Geburtstag bringt sonst ganz vernünftige Leute komplett aus dem Konzept. Es werden Anti-Aging Cremes aus Algen und Schnecken gekauft, abschleifende Kosmetikbehandlungen gebucht, Ziele in Frage und To-Do Listen erstellt, die ein oder andere hat sich auch schon am Botoxtopf bedient. Ich habe das Gefühl ich bin die Schnecke in einer Ameisen Armee. Während der Tatendrang der Ameisen um mich herum, vor der 30 noch alles Mögliche abzuhaken und mit einem möglichst hippen Lifestyle ins neue Lebensjahr zu rutschen ins Unermessliche steigt, klebe ich am Rand fest, freue mich auf den Geburtstagskuchen, in der Hoffnung, beim Kerzen auspusten doch noch plötzlich erwachsen zu werden und frage mich nebenbei warum mein Tinder Konto nicht mehr funktioniert. Und dann merke ich, dass das gar nicht so schlimm ist. Denn jetzt, in einer Phase meines Lebens, in der nichts so läuft wie es sollte und ich eigentlich schon immer dachte, dass ich in diesem Alter an einem ganz anderen Punkt sein werde, merke ich, dass ich genau da bin wo ich sein will. Nämlich bei mir. Damit habe ich mir, schon vor meinem 30. Geburtstag, das größte Geschenk selbst gemacht und bin plötzlich vielleicht doch ein Stück erwachsen geworden.

 

 

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