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Eine gute Partie!

November 11, 2017

 

 

 

 

Neben Mr. McFitty habe ich noch Mega Man kennengelernt. Mega Man hat eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann gemacht, dann eine zum Barkeeper rangehangen und schippert bald mit der Aida durch die Karibik. Er ist ständig gut gelaunt und drängt jedem, der sie nicht hören will, seine positiven Lebensweisheiten auf. Um Erlebnisse zu beschreiben oder Gefühle zum Ausdruck zu bringen bedient er sich überdurchschnittlich häufig an den Worten "cool, mega und geil" Er sieht in jeder Situation das Beste und ist immer auf der Suche nach Spaß. Mr. McFitty hingegen ist ein Grummelo. Er sagt Dinge wie: "Ich bin kein Pessimist, ich bin Realist!" Er hängt gerade an seiner Abschlussarbeit fest und macht dann was mit Flugzeugen. Seine Familie macht samstags einen Helikopterausflug, während meine gemeinsam in einer Gartenlaube hockt und Kuchen isst. Er  kocht sich zum Abendessen Dinge in Weißweinsauce, wohingegen ich mir verzweifelt Müsli in den Kaffee schütte. Die Affäre hat mal erzählt, dass sie total unordentlich sei. So unordentlich, dass er seine Papiere immer in drei Stapel aufteile, um sie dann erst Tage später zu sortieren. Meiner Einschätzung nach ist das nicht unbedingt die Definition eines Messie Lifestyles...

 

Die Männer, die ich kennenlerne sind wie Tag und Nacht und ich liege im Morgengrauen irgendwo dazwischen. Allerdings überwiegen die, mit den folgenden Eigenschaften: ordentlich, diszipliniert, durchdacht, beherrscht, strategisch, durchgeplant, strukturiert, sicherheitsliebend und pünktlich. Ich hingegen bin manchmal vergesslich, bekleckere mich auf jeden Fall, wenn ich helle Sachen trage, bin die, die beim Monopoly zuerst pleite ist, kann mich schwer entscheiden, wenn man meine Schränke öffnet, dann muss man sich ducken, um nicht von Schüsseln, Kleiderbügeln oder Handtüchern getroffen zu werden, ich fahre den Laptop nie herunter, erledige Dinge in letzter Minute, brauche Hörspiele zum Einschlafen, habe ständig blaue Flecke, weil ich irgendwo gegenlaufe, lache zu laut, trage hin und wieder unterschiedliche Socken, weil ich die passenden nicht finde und entscheide ungern am Montag was ich am Donnerstag essen möchte. Dafür versuche ich die Dinge und vor allem mich selbst mit Humor zu nehmen. Ich höre meinen Mitmenschen zu, bin aufmerksam, kann gut Frühstück machen, großartige Wodka-Basil-Chili-Grapefruit Drinks, versuche immer für meine Freunde da zu sein, bin sehr gut im Multi-Tasking, mache immer wieder Dinge, vor denen ich Angst habe, kann mich bedingungslos für Kleinigkeiten begeistern, bin dankbar, nicht nachtragend, ehrlich, ohne Vorurteile, neugierig und sehr gut darin zu improvisieren.  

 

Wenn ich nun auf Männer treffen, die so anders sind, dann finde ich das am Anfang immer ganz spannend. Ich habe dann das Gefühl, ich möchte die gern unter ein Mikroskop legen und auseinandernehmen. Mir das mal aus der Nähe anschauen, wie das ist, wenn einer solche Eigenschaften hat. Gleichzeitig rennt in meinem Kopf ein wütendes Männchen (ähnlich dem von Peterchens Mondfahrt) im Kreis und brüllt "Alarm!! Alarm!" Ich weiß nämlich, dass es nicht so leicht ist, wenn ein Partner "Hakuna Matata" lebt und der andere sich sorgen um seinen Bausparvertrag macht. Wenn ich dann auf Männer treffe, die sich "Hakuna Matata" zum Lebensmotto gemacht haben, müssten wir die Party unseres Lebens feiern können. Das kappt auch, bis mir der Typ mit seiner guten Laune auf den Keks geht....

 

"Gleich und gleich gesellt sich gern" oder "Gegensätze ziehen sich an"? Muss man sich am Ende gar keine Gedanken darüber machen, weil man, wenn man liebt, den anderen so nimmt wie er ist und ihn gar nicht mehr ändern möchte? Nach dem Motto "Leben und leben lassen?" Aber da muss man ja auch erstmal hinkommen... Wenn man sagt: "Gegensätze ziehen sich an!" Von wie viel Gegensatz ist dann die Rede? Und wie viel Gegensatz vertrage ich? Aus der Erfahrung heraus ist das nämlich nicht sehr viel. Mir ist es wichtig, voneinander lernen zu können, mir ist es auch wichtig, diskutieren zu können und dafür sollte man auch mal anderer Meinung sein. Ich möchte aber auch mal gemeinsam die Welt nicht zu ernst nehmen, über Kleinigkeiten lachen, Schaukeln gehen und vor allem möchte ich nicht das Gefühl haben, mein Partner versucht mein Leben (nach seinen Regeln!) zu strukturieren.

 

Meine Oma ist jetzt 93. Sie hatte zwei große Lieben in ihrem Leben und eine kleine. Als sie mir die Liebesbriefe von ihrem ersten Mann zeigte, war ich tief berührt. Plötzlich beschrieb jemand nicht meine  Oma, sondern eine junge, lebenslustige junge Frau, die, früher wie heute, sparsam, ordentlich und fleißig war. Ordnung ist das halbe Leben! Und nur wer ordentlich, sparsam und fleißig war, konnte eine gute Hausfrau sein. Ich bin mir sicher, dass trotz mangelnden BWL Studiums, meine 93 Jahre alte Oma besser im wirtschaften als ich. Die klare Rollenverteilung der Geschlechter sorgte dafür, dass man genau erkannte, wer eine gute Partie war. Die Frage, wie viel Unterschied sie in der Liebe verträgt, hat sich meine Oma nie gestellt. Für sie zählten andere Kriterien. Eine gute Partie war ein Mann, der am Ende des Monats das Geld nach Hause brachte. Er sollte nicht spielen und nicht trinken. Selbstverständlich auch nicht anderen Röcken hinterherschauen. Das hat tatsächlich einer getan und daraufhin hat sie ihn, ohne zu zögern, verlassen. Alleinerziehend mit einer Tochter war sie dann. Ich kann nur erahnen, wie mutig das war und bewundere sie dafür. Als ich sie fragte, ob sie denn auch bei jedem Mann Schmetterlinge im Bauch hatte, schaute sie mich nickend mit einem Glitzern in den Augen an. Selbstverständlich! Vielleicht nützt das ganze hin und her denken dann doch nicht, sondern das Gefühl im Bauch entscheidet, wie viel Unterschied man verträgt, dachte ich mir. Bis mir noch eine Sache auffiel. Wenn ich meiner Oma erzähle, dass ich einen Mann kennengelernt habe, ist eine ihrer ersten Fragen immer: "Hat der auch ein Auto?" Demnach wird es dann wohl weder was mit Mr. Mc Fitty noch mit Mega Man. Der eine kann zwar Flugzeuge fliegen, aber kein Auto fahren und der andere hat maximal eine Bahn Card 24. Und dann sagte sie am Ende zu mir: "Du bist doch eine gute Partie, du hast doch ein schönes Auto."

 

 

 

 

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