© 2023 by inthemiddleofthebed

  • Facebook Social Icon
  • Twitter Social Icon
  • Google+ Social Icon

Der letzte Akt.

November 19, 2017

 

Drei Monate ist es jetzt her. Es fühlt sich an wie drei Jahre. Es ist so viel passiert und doch wieder nichts. Ich stopfe deine restlichen Klamotten in zwei Papiertüten. Für Klamotten sind die ganz gut. Wahrscheinlich, weil Klamotten leichter sind als ein Bündel Bananen und Weinflaschen. Obendrauf drei Tuben Haargel und 10 Euro. Wenn wir uns Klamotten und Schlüssel übergeben, dann gibt es nichts mehr. Das ist die letzte Aufgabe. Der letzte Akt. Unseren letzten gemeinsamen Akt hatten wir vor ein paar Wochen. Wir sind uns auf einer Party begegnet. Ich hatte befürchtet dich dort zu sehen. Ich wollte dich nicht sehen. Noch weniger wollte ich mir das eingestehen und zu Hause bleiben. Manchmal kann ich, in den falschen Momenten, stur und stolz sein. Und dann haben wir uns doch getroffen. Du hast mir noch einen Drink ausgegeben, obwohl ich mit Sicherheit nicht mehr durstig war. Dann sind wir zu dir gefahren. In deiner Wohnung kenne ich mich aus. Fast habe ich selbst dort gewohnt. Dir beim Umzug geholfen und deiner Putzfrau die Wohnung aufgeschlossen, wenn du nicht konntest. Meine komplette Abschlussarbeit bei dir geschrieben, weil ich immer noch kein Internet hatte. Jetzt bin ich hier irgendwie fremd, aber zu beschwipst, um es in diesem Moment zu merken. Das Gefühl hebe ich mir für den nächsten Morgen auf. Der Sex mit dir ist anders. So wie es mit der Wohnung ist, so ist es auch mit unseren Körpern. Wir sind vertraut, kennen jeden Winkel, aber sind doch fremd. Es geht hier nicht um Liebe und Zärtlichkeit. Es geht ganz allein um die Befriedigung unserer Bedürfnisse. Es fühlt sich gut an. Leidenschaftlicher, als wir je davor miteinander geschlafen haben. Am nächsten Morgen frage ich dich, ob du mich vermisst. "Ja", sagst du und leihst mir 10 Euro, damit ich mit dem Taxi nach Hause fahren kann. Am Abend bin ich mit dem Gefühl ins Bett gefallen, dass es gut ist, wie es ist und ich dich nicht mehr zurück will. An das alles denke ich, während doch noch eine Tüte reißt. Doch nicht so robust wie erhofft. Als ich noch deine Schuhe obenrauf lege warte ich auf ein Gefühl. Es wäre der passende Moment für ein paar abschließende Tränen. Ja, ich wünsche mir eigentlich jetzt noch einmal zu weinen. Vielleicht denke ich das auch nur, weil das in Filmen und Büchern passieren würde. Ich warte und horche in mich hinein, aber da ist nichts. Keine Tränen, aber auch kein Groll und erst recht keine Verbitterung. Im Vergleich zu den nun vollen Einkaufstüten, war er gar nicht so schwer, der letzte Akt.

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload

Aktuelle Einträge

October 5, 2019

February 8, 2019

January 14, 2019

October 3, 2018

August 11, 2018

Please reload

Folgen Sie uns!
  • Facebook Basic Square
  • Twitter Basic Square
  • Google+ Basic Square