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Ich wollte nur die Pizza

November 30, 2017

 

 

 

Sonntag früh nach dem Feiern bin ich unfassbar müde, mit verschmiertem Make-Up, einem kleinen Schwips und Lust auf Sex ins Bett geplumpst. Tinder schien mir da eine sehr gute Lösung zu sein, doch bis es soweit kam, war ich schon wieder eingeschlafen. Drei Stunden später verschickte ich nichtssagende Nachrichten an sechs verschiedene Männer. Ich muss gestehen, nur fünf davon waren bei Tinder, den sechsten, den Deutschpoeten, hatte ich vor ein paar Wochen in einem Club kennengelernt. Der Deutschpoet ist groß, schlank, blond, trägt eine Brille, studiert Psychologie und sagt beim Sex immer: "Komm, komm, komm!". Ich bin leider nicht wie die Amazon Box Alexa und reagiere weniger auf Sprache, dafür umso mehr auf Berührungen.

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An diesem Sonntag ploppte um halb elf plötzlich die fantastische Idee in meinem Kopf auf Trampolin springen zu gehen. Also fragte ich einen der Tinder Männer, ob er dazu nicht Lust hätte. Leider hat er eine Verletzung am Bein, also war Trampolin springen raus. Ich weiß nicht woran es lag, aber auf die anderen hatte ich plötzlich keine Lust mehr. Nicht einmal Trampolin springen hätte ich mit denen gehen wollen. Vielleicht, weil der Tindermann auf die Frage, auch wenn er nicht konnte, voller Begeisterung reagiert hat. Nun ja ich schlief vor Begeisterung plötzlich wieder ein. Als ich dann wach wurde, gesellte sich ein weiteres Bedürfnis dazu. Pizza. Ich hatte solche Lust auf Pizza. Natürlich hätte ich mir einfach eine bestellen können. Allerdings fühle ich mich als Single von Lieferdiensten mit Mindestbestellwert diskriminiert. Letztens wollte ich Sushi essen und habe dank Mindestbestellwert eine Portion erhalten, von der ich zwei Tage hätte essen können. Ein Treffen mit dem Tindermann schien mir daher eine logische Schlussfolgerung zur Beseitigung all meiner Probleme. Ihm schien es ähnlich zu gehen. Jedenfalls beschlossen wir, dass wir uns um 16:35 beim Italiener treffen. Um 16:05 rollte ich mich aus dem Bett und begann mich innerhalb von 15 Minuten zu duschen, schminken und anzuziehen. Großartig Gedanken habe ich mir keine gemacht, es ging schließlich nur um die Pizza. Im Restaurant angekommen, war ich zu erst da. Ganz gut, das gab mir wenigstens ein paar Minuten, um mich zu sammeln. Außerdem verursachten die ganzen hektischen Bewegungen ein ungutes Gefühl in meinem Kopf. Dann kam er und ich mochte ihn. Eigentlich auf anhieb. Ich mochte die Dinge, die er erzählte und wie er sie erzählte. Zum Glück wollten wir beide nach der Pizza noch nicht nach Hause gehen und sind spazieren gegangen. Als wir an einem Spielplatz vorbeikamen, schlug ich vor Schaukeln zu gehen. Ich liebe es einfach. Ich liebe das Gefühl, wenn man die Augen schließt und alles im Bauch hüpft. Ich liebe die Schwerelosigkeit. Ich liebe es, wenn man ganz hoch schaukelt und nur die eigenen Fußspitzen sieht. Also wollte ich schaukeln. Vielleicht auch, weil ich denke, wenn einer zu mir passt, dann macht er mit. Er sagte dann, dass er weiß wo es viel bessere Schaukeln gibt. Bäm! Ich glaube in der Sekunde habe ich mich einfach so in ihn verknallt. Wir sind dann zum Park am Gleisdreieck gefahren, haben Tee im Späti gekauft und geschaukelt. Und dann sind wir spazieren gegangen, bis zu den kleinen Trampolinen. Ich kann gar nicht beschreiben, wie schwerelos und nah und glücklich ich mich gefühlt habe und einfach komplett im Moment. Vielleicht war alles nur so zauberhaft, weil wir beide nur die Pizza wollten. Am Ende haben wir stundenlang im Auto gesessen, uns mit einem Schlafsack zugedeckt und geredet und gelacht. Vielleicht war es auch so schön, weil wir schnell von den oberflächlichen Themen weggekommen sind und es sich nicht wie ein hin und her Fragespiel angefühlt hat. Es hat mich ein bisschen an die 36 Fragen der Liebe erinnert. Nur, dass es bei uns andere waren und wir uns am Ende nicht vier Minuten lang schweigend in die Augen geschaut haben. Schweigen ging auch. Allerdings nur kurz, es gibt Dinge, die kann ich besser. Ich finde mit jemandem im Auto sitzen und schweigen, den man nicht kennt, ist sehr viel Nähe auf einmal und manchmal macht mir Nähe Angst. Ich finde ihn toll und ich mag ihn. Und ich habe dieses Gefühl im Bauch. Mein Gott, wie sehr habe ich mir das gewünscht und mich darauf gefreut und jetzt merke ich, dass sich aber neben diesem Gefühl auch noch ein anderes entwickelt. Ich hab Angst. Ich hab Angst davor ihn zu verletzten, ich hab Angst davor verletzt zu werden, vielleicht auch Angst davor nicht zu genügen, sich komplett zu zeigen. Und manchmal macht mich das ganz panisch. Weil ich weiß, dass das alles nichts hilft versuche ich mich selbst zu beruhigen. Ich hab gelesen, dass sich die körperlichen Stressreaktionen des Flirtens und Kennenlernens nicht von einer Paniksituation unterscheiden. Ist also alles ganz normal. Normal mit Ausnahmezustand im Körper und dabei wollte ich doch nur eine Pizza essen gehen.

 

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