© 2023 by inthemiddleofthebed

  • Facebook Social Icon
  • Twitter Social Icon
  • Google+ Social Icon

Schnapspraline

December 12, 2017

 

 

 

 

Man sagt das Leben sei wie eine Schachtel Pralinen - man weiß nie was man bekommt. Ich habe das Gefühl nicht nur mit dem Leben ist es so, sondern auch mit den Männern. Wirkte der Pizzamann auf den ersten Blick noch wie eine pralle Schachtel mit Pralinen aus Zartbitterschokolade: Knackig, süß, mit Gold bestäubt und hübsch verpackt, habe ich nun nach den ersten Bissen festgestellt, dass einige der Pralinen mit Schnaps und Fruchtmarmelade gefüllt sind. Irks. Jetzt stelle ich mir die Frage, esse ich die Packung auf und hoffe auf Produktionsfehler oder hole ich mir die nächste Pralinenschachtel? Ganz besonders in den Tinder-Zeiten, in denen Singles austauschbarer sind denn je... Bevor ich den Pizzamann (ok ich gestehe immernoch) getroffen habe machte ich mir teilweise nicht einmal die Mühe die Telefonnummern der Männer einzuspeichern. Es ist doch ein Kommen (nun ja, nicht immer) und Gehen und für Nachschub sorgt entweder eine App oder das Berliner Nachtleben. Eine Freundin von mir hatte letzte Woche fast jeden Tag Dates. An einem Abend drei hintereinander. Warum also halte ich an dieser Schnapspralinenschachtel fest? Besonders nachdem mich meine 93-Jährige Oma während der letzten Familienfeier sehr subtil darauf hingewiesen hat, dass das bei mir ja nicht so laufen würde mit den Männern und wie ich es denn jetzt gedenke zu schaffen schnell zu heiraten, damit sie das noch miterleben kann. Eine gute Antwort hatte ich darauf nicht parat und im Lügen bin ich auch nicht besonders gut. Jedenfalls konnte ich meine Oma auch nicht glaubwürdig mit dem Pizzamann beruhigen. Wir kennen uns gerade einmal vier Wochen (ich hab's bei Tinder gecheckt und festgestellt, dass er sein Profilbild geändert hat. Das lässt wohl vermuten, dass er seine Oma ähnlich schlecht beruhigen kann). Gefühlt kennen wir uns viel länger. Vielleicht auch, weil ich in dieser Zeit so viel gefühlt und schnell gemerkt habe, dass ich gerade gar nicht so viel fühlen will. Es waren nämlich nicht nur Gute, sondern auch ungute Gefühle dabei. Es sei denn, wir schlafen miteinander, dann habe ich ausschließlich gute Gefühle. Sonst habe ich manchmal das Gefühl, alles überrollt mich und ich will laut schreien: "Halt Stop, ich bin doch noch gar nicht soweit." Dabei will ich ihm so gern eine Chance geben. Allerdings gab es da auch noch einen kleinen Zwischenfall, der das Alles nicht viel leichter gemacht und ihn fast dazu gebracht hat den Kontakt abzubrechen. Und das hat er auch so klar kommuniziert. Ist an sich immer super, wenn man offen und ehrlich ist. Nach einer Woche von 0 auf 100 und wieder zurück, sorgt dann aber doch nicht für ein gutes Gefühl bei mir und hat die wunderbare Leichtigkeit des Anfangs verdrängt. Was ist also passiert? Ich bin mit Freundinnen feiern gegangen. War betrunken. Er und ich sind zusammen zu mir gefahren, ich wollte vorher aussteigen und noch ein Stück zu Fuß laufen, dann war ich mir beim Weg nicht mehr so sicher - das würde mir aber auch Montag früh um neun Uhr passieren in den kleinen Straßen- aber das weiß der Gute ja nicht. Dann hat um halb sieben morgens bei mir noch eine Freundin geklingelt, die erst später vom Feiern nach Hause kam und wir wollten uns bei einem Glas Wein noch über den Rest des Abends austauschen, aber mein Korkenzieher ist kaputt. Ich hab das Gefühl seitdem versucht er sich und mich in Schubladen zu stecken. Leider ist seine Schublade höher im Schrank eingebaut. Er ist der verantwortungsbewusste, erwachsene, erfolgreiche Mann und ich bin das Mädel, das nur an Partys und das nächste Wochenende denkt, nicht in der Lage ist erwachsen und verantwortungsbewusst zu handeln und über den Tellerrand zu schauen, sondern maximal über den Rand ihres Aperol Spritz Glases. Darauf habe ich keine Lust. Meine Motivation einem Mann zu beweisen was ich kann, bin und weiß ist so groß wie mein Appetit auf Schnapspralinen. Wenn der Typ nicht in der Lage ist das allein zu sehen, dann scheint es nicht zu passen. Und jetzt während ich das Alles schreibe, merke ich was noch dazukommt. Ich habe ihm gegenüber einfach zu viel Miss- und zu wenig Vertrauen. Jetzt werde ich fast ein bisschen wehmütig und hätte gern noch einmal ein bisschen das Gefühl vom Anfang zurück. Den "Flash", der doch rapide abgenommen hat. Lieber Mark Forster, ich kann dich und deinen Wunsch "Flash mich nochmal" gerade sehr gut verstehen. Vielleicht sollte ich dem Pizzamann, so wie du und Sido, "Au revoir" sagen. Vielleicht gibt's beim Öffnen der nächsten Pralinenschachtel einen neuen Flash. Das mit den Schnapspralinen sollte ich auf jeden Fall einschränken. Zu viel Alkohol ist nicht gut. In dem Punkt sind der Pizzamann und ich uns auf jeden Fall einig.

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload

Aktuelle Einträge

October 5, 2019

February 8, 2019

January 14, 2019

October 3, 2018

August 11, 2018

Please reload

Folgen Sie uns!
  • Facebook Basic Square
  • Twitter Basic Square
  • Google+ Basic Square