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Knieschoner

March 27, 2018

 

 

Ich finde jemanden wirklich kennen zulernen kann furchtbar anstrengend sein. Das bringt, jedenfalls bei mir, alle Unsicherheiten zu Tage, denn jemanden wirklich kennen zulernen bedeutet auch, sich zu öffnen und zu zeigen. Genau so, wie man ist. Dazu gehören nicht nur die positiven Eigenschaften und dabei mag man sich doch, gerade am Anfang, nur von seiner besten Seite zeigen. Manchmal habe ich dann Angst nicht zu genügen und frage mich, wann der andere merkt, dass ich ein totales Chaos bin.

 

Nach der Trennung im letzten Jahr musste ich mir erstmal Zeit geben und das ganze irgendwie sacken lassen, denn das hat ein Gefühl von nicht gut genug sein hinterlassen, nicht genügen oder nicht ausreichen. Insgeheim weiß ich, dass es mir am Ende gut getan hat. Aber bitte, wer will schon, dass mit einem Schluss gemacht wird?!? Man sagt, wenn man vom Pferd fällt, dann soll man sofort wieder aufsteigen. Ich glaube in der Liebe ist das gar nicht so leicht. Runterfallen und hinfallen tut da einfach besonders weh. Und anstatt wieder aufzusteigen gibt es andere Möglichkeiten. Eeasy peasy kann man sich locker und leicht mit Leuten treffen, zur Not auch mehreren und wenn dann einer mal abhanden kommt, dann ist das nicht so schlimm oder es fällt einem nicht einmal auf und tut auch nicht weh. Ruckzuck ploppt dann der Stempel "Generation Beziehungsunfähig" auf. Aber ist das nicht eigentlich total normal?

 

Mein Auto hat einen Airbag, der mich bei Unfällen schützt, fürs Fahrrad fahren habe ich einen (den trage ich nie) Helm, wenn ich etwas aus dem Backofen hole, dann nicht mit bloßen Händen, die Straße sollte man nur bei grün überqueren, Lebensmittel auf denen sich bereits ein lustiger grüner Flaum bildet, isst man nicht, wer nicht schwimmen kann, der wird nicht vom 10 Meter Brett springen und ein Footballspieler wird nicht ohne Ausrüstung aufs Feld stürmen. In allen anderen Bereichen unseres Lebens sind wir vorsichtig und schützen uns vor Verletzungen und Gefahren. Das wird uns von klein auf beigebracht. Also ist es doch völlig normal, dass ich auch mein Herz schützen will. Würde es einen Helm fürs Herz geben, würde ich mir mir mit Sicherheit einen zulegen. Oder Knieschoner! Kann nicht bitte jemand wenigstens Knieschoner dafür erfinden?!? 

 

Das Blöde an der Sache ist ja, um sich auf jemanden wirklich einzulassen und somit auch in Kauf zu nehmen, dass man verletzt wird gibt es auch den ganzen anderen Spaß nicht. Sich jemandem Nahe zu fühlen. Da muss man halt auch mal mutig sein. Mutig sein kann ich! Ich muss mich nur ab und zu daran erinnern, weil manchmal die Vorstellung von "Easy-peasy-locker-und-leicht" verlockend erscheint. Und das besonders dann, wenn man das Gefühl hat, dass alles ein bisschen näher und enger wird.

 

Am Wochenende war ich in Amsterdam und habe von einer Schaukel auf einem Hochhaus gelesen und mir sofort ein Ticket gebucht. Jeder, der ein paar Einträge gelesen hat, weiß wie sehr ich schaukeln liebe. Allerdings habe ich auch ein klitzekleines bisschen Höhenangst. Ungefähr zwei Sekunden, nachdem ich das Ticket buchte, wurde mir schlecht vor Angst, aber gleichzeitig wollte ich es unbedingt machen. Meistens versuche ich dann einfach nicht mehr an die Dinge, die mir Angst machen, zu denken. Später, in der Sekunde, in der die Schaukel nach oben ging, ist mir das Herz in die Hose gerutscht, aber am Ende hatte ich Spaß (und Abdrücke von meinen Fingernägeln, die sich in meine Handflächen bohrten) und war wirklich stolz auf mich. Ok, ich glaube meine Erleichterung, als die Schaukel nach unten ging, überwog eindeutig den Spaßfaktor. So mache ich das jetzt auch einfach in Liebesdingen! Rauf auf die Liebesschaukel, nicht darüber nachdenken und sich darauf einlassen und den ganzen Spaßfaktor mitnehmen. Wäre es nicht Schade das Feld der Liebe ausgerüstet wie ein Footballspieler zu betreten, nur um sich nicht zu verletzen? Und mal ganz im Ernst, die ganze Zeit in so einer Rüstung, das muss doch auf Dauer auch wahnsinnig ungemütlich sein. Viel besser wäre da doch etwas kleineres, nur für den Fall der Fälle, sowas wie z. B. ein Paar Knieschoner

 

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