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Meine beste Seite und ich

July 23, 2018

 

Meine beste Seite und ich, wir sind selten gemeinsam unterwegs. Ihr einziges Manko ist wohl, dass sie immer zu spät ist. Das bedeutet wenn ich sie mal ganz dringend brauche, dann ist sie leider nicht da. So auch beim ersten Wochenendtrip mit dem Hochzeitsmann. 
 

Wenn ich ihn in eine Schublade packen würde, dann in die "Ich stehe auf Vorzeigefrauen-Schublade". Das mag nicht fair sein, aber das sag ja auch ich und nicht meine beste Seite. Er selbst sagt, dass er eher der visuelle Typ ist. No pressure! Das Ding ist, ich bin mit Sicherheit vieles, nur keine Vorzeigefrau. Für mich sind das z. B. die  Frauen mit den perfekt seidenen Haaren und ohne Poren. Die wurden bei denen einfach vergessen. Die wachen morgens auf und ihre seidig glänzenden Haare fallen perfekt über ihre Schultern. Der Plan war also so gut wie möglich auszusehen und die Jogginghose nur zum Sport anzuziehen. Ich weiß, dass das totaler Quark ist, weil auch er mittlerweile mitbekommen hat, dass ich morgens nicht aussehe, wie einer Pantene Werbung entsprungen. Abends allerdings auch nicht. Jedenfalls habe ich in der Nacht vor der Abfahrt nicht allzu viel Schlaf abbekommen. Das führte nicht nur zu einem knitterigen Gesicht, sondern auch zu großer Unmut meine Sachen zu packen. Ich zerrte also alle Dinge, von denen ich dachte, dass sie mir von Nutzen sein könnten aus dem Kleiderschrank und warf alles aufs Bett. Als der Berg von Klamotten und Kosmetikkram so groß war, dass er drohte umzufallen und mich darunter zu begraben,beschloss ich, dass es nun genug sei. Nur noch alles in einen großen Koffer stopfen und fertig. Leider war der nicht auffindbar. Dachboden, Keller und Wohnung wurden akribisch durchforstet. Letztendlich stand ich zwei Stunden zu spät mit einem kleinen Koffer, einer Sporttasche, zwei Handtaschen, nassen Sportsachen auf dem Rücksitz und erschöpft vor seiner Tür.

 

Er hat easy peasy reagiert und wir konnten losfahren. Freundinnen von mir nennen ihn übrigens Mr. Grey. Warum genau ist mir ehrlich gesagt nicht klar. Er hat weder einen Schrank voller Peitschen (zumindest weiß ich nichts davon) noch einen eigenen Helikopter. Wenn er den hätte, wäre die Anreise nach Bad Saarow sicherlich um einiges leichter geworden. Da er nicht wusste wohin es ging versuchte ich den Weg rauszufinden. Man könnte nun denken es sei als Ablenkungsmanöver geplant gewesen, aber tatsächlich habe ich wohl irgendwas falsch angeklickt und Google führte uns zielstrebig über den langsamsten Weg nach Bad Saarow. 

 

Endlich im Hotel angekommen sagte man uns an der Rezeption, dass es keine Reservierung gäbe und ein freies Zimmer erst Recht nicht. Jackpot! Woran das lag hat sich auch schnell geklärt, ich habe das falsche Hotel gebucht. Zu meiner Verteidigung, ich wollte das alles schnell zwischen tanken und Auto waschen abwickeln und habe nebenbei mit einer Freundin telefoniert. Glücklicherweise war das andere Hotel nicht weit weg. Allerdings ist der Weg vom A-Rosa zum A-Ja wie von Trüffel Pasta zu Spaghetti mit Ketchup. Andersrum wär besser, aber man kann ja nicht alles haben und immerhin hatten wir noch uns und 20 Minuten später zwei volle Aperol Spritz Gläser.

 

Als wir dann im Hotelzimmer standen klappte mir wirklich die Kinnlade runter. Das lag nicht an dem gruseligen überlebensgroßen Gänseblümchen an der Wand oder den überdimensionalen Wolken, sondern das Badezimmer war komplett verglast. Im Ernst?!? Wer will denn sowas? Ok, ich war schon mit meinem Exfreund in solchen Hotelzimmern, aber wir waren jahrelang vertraut und sind nackt voreinander rumspaziert. Mit ihm ist das aber noch anders. Während ich noch morgens versuche mir irgendwas um den Körper zu wickeln, wenn ich aus dem Bett krieche oder noch viel schlimmer in gebückter Haltung versuche ins Badezimmer zu kriechen, hat er damit kein Problem. Leider kann ich absolut keine Gefühlsregung in meinem Gesicht verbergen, was zu großer Belustigung seinerseits führte. Ich habe sowieso das Gefühl Männer sind da viel freier. Die Äffare hat einmal nach dem Sex nackt den Kühlschrank geöffnet. Gut, dass der Käse keine Augen hat.

 

Der nächste Tagespunkt Koffer auspacken zeigte mal wieder wie unterschiedlich wir sind. Während er seine Klamotten ordentlich in den Schrank hängte ordnete ich mit meinem Gepäck einen Hindernisparcour im Zimmer an. Allerdings hatte er auch weitaus weniger Kram dabei, da fällt das Auspacken natürlich wesentlich leichter. 

 

Nach den ganzen Mini Katastrophen ging es endlich in den Wellnessbereich. Was soll da schon schief laufen? . Wellnessbereich ist irgendwie etwas übertrieben, aber wie sich später rausstellte doch groß genug, um sich zu verlieren. Während er beim Aufguss in der Sauna saß schlief ich, Schlafmangels sei Dank, konsequent ein, bis er irgendwann frisch geduscht und komplett angezogen vor mir stand erklärte, dass er mich nun schon seit einer Stunde gesucht hätte. Ich bin sicher das war leicht übertrieben, ich bin doch nur kurz eingedöst...

 

Meine Highligh-Katastrophe hob ich mir für den nächsten Tag auf. Hochmotiviert wollte ich unbedingt Stand up Paddling ausprobieren, bis mir, leider erst auf dem Brett, klar wurde, dass ich erstens so gar keine Lust habe ins Wasser zu fallen, zweitens mit so einem Ding nicht umgehen kann und drittens es nach 10 Minuten auch irgendwie eintönig wird. Während er souverän und zügig vorankam versuchte ich wacker mich kniend auf dem Brett zu halten. Irgendwann war ich dann soweit ihn einzuholen. Im Eifer des Gefechts ist mir leider da erst aufgefallen, dass ich keine Ahnung habe wie man bremst. Volle Fahrt voraus! Also fuhr ich weiter direkt auf ihn zu. Zeit zum Ausweichen blieb ihm leider nicht und also versuchte er mir per Zuruf zu erklären, wie man mit dem Ding bremst. Irgendwas mit Paddel ins Wasser. Das Paddel war doch im Wasser?!? Während ich sicher auf dem Brett kniend unsere Karambolage trocken überstand, flog er ins Wasser. Dieses Mal konnte man in seinem Gesicht lesen. Leider nur kurz, dann war er weg. 

 

Glücklicherweise hat er unter Wasser nur seine Sonnenbrille und nicht seinen Humor verloren. Anstatt wütend zu werden hat er gelacht. Jede, für mich wahrgenommene, Katastrophe (und davon gab es einige) war für ihn kein Problem. Am Ende lief wirklich nichts so, wie ich es mir vorher dachte. Anstatt mich von meiner besten Seite zu zeigen, habe ich die chaotische und trottelige hervorgeholt. Das ist jetzt wirklich nicht die, die ich am liebsten an mir mag, aber die gehört eben auch zu mir. Wenn mir allein solche Dinge passieren, dann kann ich wirklich sehr gut über mich lachen und denke jedesmal "Oh man, wirklich?!?" Vor anderen Leuten versuche ich es so lange wie möglich geheim zu halten. Ich weiß, dass ich nicht in die Vorzeige-Frau Schublade passe, aber in die Trottelige-Chaotin-Schublade will ich auch nicht. Klingt irgendwie nicht sexy. Der Plan mich von meiner besten Seite zu zeigen ist nicht aufgegangen. Am Ende ist das vielleicht auch gut so, jetzt weiß er wenigstens genau worauf er sich da einlässt. Ist also eigentlich gar nicht so schlimm, dass meine beste Seite nicht dabei war. Die hätte sowieso nicht mehr ins Gepäck gepasst.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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