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Mein Leben als alleinerziehende Mutter

December 10, 2018

 

 

 

 

Der Hochzeitsmann und ich, da haben wir uns was eingebrockt. Während es mich raus aus Berlin in eine Stadt voller Menschen, Hitze, Werbung, Shopping Malls und Tempeln zieht, die mich mit ihrer lauten und chaotischen Struktur in ihren Bann gezogen hat, zieht es ihn, nun ja wie sage ich das charmant? In Gegenden, die wohl eher mit Kleinstadtidylle bestechen, als mit Shopping Malls, Rooftop Bars und Berufsverkehr.

 

Und dennoch. Möglicherweise liegt es an meiner Art Dinge stets positiv zu sehen oder sich nicht unnötig Sorgen zu machen, sondern einfach zu machen. Möglicherweise habe ich als Kind einfach zu viele Disney Filme gesehen. Möglicherweise hat er nicht mit der gleichen Leidenschaft wie ich diese Disney Filme verinnerlicht, denn der Tiefpunkt kam vor ein paar Wochen und daraus folgte ein Kontaktabbruch.

 

Während ich gerade mit Freunden durch Ghana tingelte wusste ich, dass er eine unglaublich kräftezehrende Zeit hat. Nun ja, schon in den Monaten davor, aber da schien sich die Lage wohl zuzuspitzen. Privat – und das ganz unabhängig von mir – und beruflich. Ich habe mich bemüht so verständnisvoll wie möglich zu sein. Immer. Ob es darum ging, dass er sich zurückzog und mich nicht teilhaben lies, nicht mit mir sprechen konnte oder wollte, weil es ihm nicht gut ging, mir sagte, dass er weniger in Berlin sein wollte, erst nur ein paar Tage, dann immer mehr bis praktisch gar nicht mehr. Und das alles in einer Nachricht. Dabei ist es sein gutes Recht. Noch viel mehr hatte ich das Gefühl, dass er irgendwie wusste, dass es mich treffen könnte. Es hat mich verletzt. Irgendwie. Wie er sich zurückzog und mir keine Chance gab, bis wir eigentlich keinen Kontakt mehr hatten. Oh und ich vergaß, er sieht seinen Lebensmittelpunkt auch nicht mehr in Berlin. Sein Herz schlägt jetzt für Kleinstadtidylle.

 

Ein paar Wochen später, für mich aus dem Nichts heraus, sagt er, er will kein easy peasy mehr. Er will uns und was Festes und ich soll mal in das Dorf kommen und ich hätte doch gesagt ich könnte den Sommer in Europa verbringen, das kann es ja nun noch nicht gewesen sein... Da hat er ja wohl bewusst oder unbewusst genau die richtigen Worte gefunden, denn Easy Peasy wird das mit Sicherheit nicht. Für mich.

 

Warum es nun das Dorf sein muss? Und er dort glücklich ist? Da sind seine Kinder. Klar. Denn was lässt sich schon dagegen sagen? Was lässt sich gegen einen Vater sagen, der versucht seinen Kindern alles zu bieten und für sie da zu sein? Der ihnen eine wunderschöne Kindheit bescheren will, trotz Trennung. Der ihnen wieder ein schönes zu Hause und einen unbeschwerten Alltag geben will? Nichts. Und genau das ist der Punkt. Nur eine herzlose, kalte Person könnte dagegen etwas sagen. Hallo, darf ich mich mal eben vorstellen?!?  Das ist ein Totschlagargument. Das macht mich wütend. Ich wüte mich da richtig in Rage!

 

Ich meine, wo ist die Grenze? Wie viel muss ich bereit sein mehr Kompromisse einzugehen, weil er Kinder hat? Oh ich sollte das muss streichen. Dafür gibt es keine allgemein gültige Regel. Wir backen hier keinen Kuchen und brauchen dafür mal eben 200 g mehr Verständnis und bitte noch einen Löffel von der eingemachten Kompromissbereitschaft. Ach, Mist ich sehe gerade das Verständnis ist am 31-08.2018 abgelaufen. Das sollten wir nicht mehr essen und auf der Kompromissbereitschaft bildet sich ein grüner Flaum.

 

Ihn hingegen macht es wütend, dass ich nicht da bin. Dass ich „einfach so“ gegangen bin, seiner Ansicht nach vor Dingen davonlaufe. Das Problem ist, dass man darauf wütend sein darf. Das ist ein guter Grund, denn ich habe ja die Wahl oder nicht? Und einige Leute würde dem bestimmt zustimmen, weil ich bin ja die, die weggegangen ist. Freiwillig. Einfach so. Die vor Dingen davon läuft, anstatt sich ihnen zu stellen  und uns damit eine gemeinsame Zukunft erschwert. Sich überspitzt gesagt gegen ihn und für ein Lari-Fari-Urlaubsfeeling-Leben entscheidet.  Aber darf man wütend auf einen Vater sein, der sich um seine Kinder kümmert? Nö, natürlich nicht. Da erntet man doch direkt schiefe Blicke! Man habe ja selbst keine Kinder und könne das nicht verstehen. Und es ist auch nicht der Punkt, dass er sich um seine Kinder kümmert. Ich würde im Leben keinen Mann wollen, der seine Kinder vernachlässigt. Darum geht es ja auch nicht.

 

Ich kann es so schwer in Worte fassen. Es ist das was daraus von mir erwartet und gefordert wird, besonders nach den letzten Wochen. Wenn man es in die Waagschale legen würde: er hat ja die Kinder, um die er sich kümmern muss und ich bin flexibel. Ich könnte das doch einfach mal machen und für ein Wochenende in der Kleinstadtidylle Desperate Housewives spielen. Eva Longoria als Freundin – wer kann da schon nein sagen?

 

Ich weiß, dass er viel dafür tun würde, damit es mir gut geht. Eine Menge sogar. Und ich weiß auch, dass dieser Mann in vielen Dingen ein wahrer Glücksgriff ist. Ich kann ich sein und werde angenommen. Ich komme zur Ruhe bei ihm. Er bestärkt mich. Ermutigt mich. Ist ehrlich und kann mich auch kritisieren. Ich muss keine Angst haben ihm Schwächen zu zeigen, weil er mich nicht verurteilt. Versucht die Dinge aus meiner Sicht zu sehen und mich zu verstehen. Und ja, auch der Rest passt.

 

Trotzdem. Für mich hinterlässt das ein komisches Gefühl. Es ist dieses wir müssen Kompromisse eingehen, aber jetzt mal im Ernst wo ist seiner? Und brauche ich nur einen Kompromiss von ihm, um mich gut zu fühlen? Nur für die Ausgeglichenheit? Sehe ich irgendein Detail nicht und es ist auch für ihn so ein fettes Ding? Zeit in einem Dorf verbringen, in einem fremden zu Hause, wo ich niemanden kenne, ich vielleicht nicht einmal die Dinge tun kann, die ich so gern in meiner Freizeit liebe, in einem Land aus dem ich Weg bin, dann nicht einmal in der Nähe meiner Freunde oder Familie. Das sind für mich mehr als 50 % Kompromiss. Für mich klingt der Deal, als würde man versuchen einen Goldfisch in den Dschungel umzusiedeln. Und vielleicht auch, weil es für mich nach Abhängigkeit klingt. Pure Abhängigkeit. Und das ist etwas, was nicht meinem Naturell entspricht. Eines der wichtigsten Dinge, die ich von meiner Mutter gelernt habe ist niemals von einem Mann abhängig zu sein. Sie hat auch versucht mir die Sache mit "Hab-keinen-Sex-vor-der-Ehe" beizubringen, aber wer hört schon immer auf die gut gemeinten Ratschläge seiner Mutter?

 

Wenn er das nächste mal seine Kinder vorschiebt dann schiebe ich ab sofort auch eins vor. Nämlich mein eigenes. Mein inneres Kind. Ich bin nämlich eine alleinerziehende Mutter – 100 % alleiniges Sorgerecht für mein inneres Kind. Ganztagsbetreuung. Und wenn ich das vernachlässige gibt es auch Ärger. Das wusste schon Sigmund Freud.

 

Ich kann ein Kinderlied davon singen wie schwer es ist Erziehung und Karriere unter einen Hut zu bekommen. Vielleicht läuft es deshalb mit der Erziehung meines inneren Kindes nicht so gut und es fällt mir manchmal unangenehm auf. Es fordert sehr viel Aufmerksamkeit. Nein, zum Glück leidet es nicht mehr unter der letzten Trennung und macht auch nicht mehr in die Windeln. Aber es ist sehr verspielt und Unterhalt gibt’s leider auch nicht vom Vater.

 

Ja, ja, ich weiß das ist vielleicht nicht ganz fair. Ich weiß, dass er mir nicht einfach ans andere Ende der Welt folgen kann – und auch nicht will.  Ich weiß aber auch, warum ich ihm nicht ans andere Ende von Deutschland folgen kann – und auch nicht will. Mein inneres Kind, das muss sich einfach noch ein bisschen austoben bis der Ernst des Lebens losgeht. Und wie wir daraus eine Patchworkfamilie gründen sollen ist mir auch unklar. Sicher ist auf jeden Fall, dass es easy peasy dann nicht mehr gibt. Das habe ich als alleinerziehende Mutter aber sowieso nicht. Und jetzt muss ich los - mein inneres Kind wecken!

 

 

 

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