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Ent(Scheidung)

February 8, 2019

 

"Wenn du eine Entscheidung treffen musst und du triffst sie nicht, ist das auch eine Entscheidung“, sinnierte einst der US-Psychologe William James und "wenn du eine Entscheidung triffst die zwei betrifft, aber nichts davon sagst, bist du ein Arschloch", sinniere ich.

 

Als ich beginne über das Ende mit dem Hochzeitsmann zu schreiben, korrigiert mich die Autokorrektur und verwandelt Hochzeitsmann in Hochzeitsmarsch. Gedanklich streiche ich das M. Ich bin wütend. 

 

Über Weihnachten hatten wir noch eine gemeinsame Woche. Eine Woche, von der wir beide wussten, dass das was wir gerade machen auch irgendwie Irrsinn ist. Vielleicht wusste er es mehr als ich, vielleicht sind meine Techniken zur Verdrängungstaktik auch einfach nur ausgesprochen ausgeprägt. Ich habe dennoch gehofft, dass die Variante Fernbeziehung, mit Zeitverschiebung, Planlosigkeit und ohne Aussicht auf ein absehbares Ende ihn überzeugt. Dem war nicht so. Sachen gibt's...

 

Ein ausschlaggebender Punkt könnte gewesen sein, dass er sich einsam fühlt. Da ist die Aussicht auf die "Wir sehen uns, wenn es mir in den Kram passt Variante" vermutlich noch weniger attraktiv. Mich beschleicht aber das Gefühl, dass ich selbst, wenn wir an einem Ort leben würden und ich quasi bei ihm eingezogen wäre diese Einsamkeit nicht hätte stillen können. Es sei denn, ich beschließe kurzerhand noch ein Fernstudium in psychoanalytischer Therapie ranzuhängen. Wie ich zu dieser Schlussfolgerung komme? Negative Einstellungen machen uns für Einsamkeit besonders empfänglich, habe ich irgendwo gelesen. In dieser letzten Woche hat er davon einige zum Vorschein gebracht. Bedeutet das dann nicht, er hat sich besonders einsam gefühlt? Und das obwohl ich da war! Ich habe darüber hinweggesehen, weil ich dachte, es ist jetzt nur eine kurze Phase, wenn auch zeitlich ungünstig gelegen, aber das plant ja niemand so ein. 

 

Als ich beginne mich mit dem Thema Einsamkeit zu befassen lese ich, dass Menschen, die sich einsam fühlen häufig denken, dass sie nicht liebenswert seien, sie lehnen sich selbst ab und denken, dass sie nur mit einem Partner glücklich werden können. Bei diesem Satz holpert mein Herz. Aus zwei Gründen. Erst einmal wird mir bewusst, dass ich ihn gar nicht hätte glücklich machen können. Ganz egal wo auf der Welt ich bin. Ob das stimmt oder nicht, der Gedanke hilft mir. Zweitens weiß er wirklich nicht wie liebenswert er ist? Der Gedanke hilft mir auf jeden Fall nicht, aber ihm das jetzt zu zeigen, ist auch nicht mein Job.

 

Nach unserer gemeinsamen Woche ging er mit den Kindern in den Urlaub und damit auch auf Abstand. Wenn er Zeit mit seinen Kindern verbringt ist das häufig so und das ist ok. Nicht ok fand ich, dass ich keine Reaktion auf meine Nachricht bekam. Er fehlte mir und das wollte ich ihn wissen lassen. Ich ihm anscheinend nicht, denn ich denke das wollte er mich wissen lassen, indem er nicht antwortete. Ich bilde mir ja ein, dass er mir nur die Leere schicken wollte, die ich bei ihm hinterlassen hatte.

 

Als es mir genug war rief ich an und fragte was los sei. Nichts. Bin ich hier eigentlich der Mann? Kurzer Smalltalk dann war das Gespräch vorbei. Später am Abend, es quälte mich einfach zu sehr, schrieb ich ihm eine Nachricht. Ich war selbst genervt davon. Immer wieder diese langen dramatischen Nachrichten, ich hatte die Nase voll.  Dass ich das jetzt so nicht mehr mitmachen könne, bla bla, entweder wir machen das und ich bin alle drei Monate und im Sommer in Europa, bla bla, hier und da. Seine Antwort war zwar deutlich kürzer, aber nicht weniger deutlich. Es ist ihm zu wenig. Er kann es nicht und er wünschte sich, wir hätten das anders klären können - wird uns doch nicht gerecht! Wäre ich nicht so traurig und wütend gewesen hätte ich vermutlich einen Lachanfall bekommen. Aha, na vielleicht habe ich ihn ja deshalb einen Tag vorher angerufen, aber da war ja nichts. Oder? Als ich weiterlas gab er zu, die Entscheidung hat er schon letzte Woche getroffen. Letzte Woche schon?!? Und was sollte das ganze dann? Ein kläglicher Versuch zu ghosten? 

 

Wie auch immer, ist doch gut, wenn einer Entscheidungen trifft. Muss man erstmal so sagen. Gibt auch Leute, wie mich, die können sich nur schwer entscheiden. Man muss schließlich so allerlei Entscheidungen treffen im Alltag. Zoodles mit Tomatensauce fürs Gewissen oder Spaghetti Carbonara fürs Gemüt? Noch eine Netflix Serie und dann morgen früh Katzenwäsche anstatt Peeling und Haare waschen? Couch oder Gym?

 

Und dann gibt es Entscheidungen, da werden direkt zwei Personen miteinbezogenen. Sowas wie "Wollen wir zusammenziehen?", "Hast du Lust auf einen gemeinsam Urlaub?", "Wollen wir heiraten?" oder auch "Hat das mit uns noch Sinn?"

 

Kleiner Hinweis für die fleißigen Entscheider: wenn die Entscheidung zwei betrifft, dann ist es häufig ein klitzekleiner Vorteil die zweite Person mit einzubeziehen. Hm ja ja ich weiß, diese Erkenntnis hat mich auch mit einer Wucht getroffen. Das vergisst man in der Eile mal schnell. Da denkt man häufig nicht dran, gerade wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht. Kann ja mal passieren. Aber jetzt wisst ihr Bescheid. Ich habe jetzt übrigens auch eine Entscheidung getroffen. Ich bin jetzt nämlich mit Ryan Gosling zusammen. Weiß er noch nicht, aber kann ja mal passieren...

 

 


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