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Eat, pray, lovinska!

May 21, 2019

 

Wäre ja schön, wenn ich, Julia Roberts und Felipe, meine heiße Affäre auf Bali wäre. Ich kenne tatsächlich einen Felipe, allerdings haben wir bisher nur Glitter und kein Bett geteilt. Felipe ist nämlich ein kleiner, rundlicher, schwuler Typ aus Berlin. Die einzige Parallele zu "eat, pray, love" ist, dass ich auf Bali bin. 

Vor ein paar Monaten hatte ich hier ein Tinder-Match. Klingt erstmal nicht schlecht. Klingt ein bisschen nach Sonnenuntergängen und Blick über Reisterrassen, langen Nächten in romantischen Hotelzimmern und viel Sex in Betten mit wunderschönen Moskitonetzen. Oder vielen Partys, australischen Surfern mit stark ausgeprägter V-Muskulatur und viel Sex in Betten mit wunderschönen Moskitonetzen. Eine weitere Möglichkeit, viele Yogakurse, Exotic-Dance-Workshops und viel Sex in Betten mit wunderschönen Moskitonetzen. Die Phantasien sind beliebig austauschbar. Hauptsache das Ende bleibt.

 

Es gab nicht eine einzige dieser Varianten! Schon gar nicht so ein Ende -jedenfalls nicht mit diesem Match. Daraus entstanden ist eine Freundschaft. Basierend auf einigen gemeinsam geteilten Desserts- tadaa hier kommen wir zu "eat" und einer nicht unerheblichen Anzahl an Mojitos. Warum die damals nicht "drink" in den Film eingebaut haben ist mir schleierhaft. Es gab einige davon. In "How to Be Single" erklärt Robin Alice, dass es in jeder male-female-Freundschaft eine Anzahl von Drinks gibt, nach der man auf jeden Fall miteinander im Bett landet. Unsere Drinkanzahl muss verdammt hoch sein, weil da einfach nichts passiert. Vermutlich ist unsere Zahl so hoch, dass ich mich danach an sowieso nichts mehr erinnern könnte.

 

Wir gleichen eher einem alten Ehepaar, als einem auf Wolken schwebenden Bündel im Hormonrausch. Ich sage ihm, dass er weniger Nutella essen und dafür mehr Sport machen sollte. Er merkt nicht, wenn ich beim Friseur war und beim Abendessen haben wir uns auch schon mal angeschwiegen. Betten haben wir auch nächtelang miteinander geteilt, ohne dass auch nur annähernd etwas passiert wäre. Nüscht. Wir ham ja nüscht (Sorry, Insider!). Und das scheint irgendwie mein Problem zu sein. Überraschung, denn wie schon Alin Coen wusste: "Einer will immer mehr"! In diesem Fall ist es Eine und das bin ich. Jedenfalls denke ich das hin und wieder mal. Ich bin es nicht gewohnt viel Zeit mit einem Mann zu verbringen, den ich mag, aber mit dem nichts geht und das verwirrt mich.

 

Wie fügt sich da jetzt "pray" ein? Ich sitze 20 km entfernt in meinem Bett, habe eine Mandelentzündung und mir ist so schlecht, dass ich mich übergeben musste. Life happens und shit gibt's on top dazu. Wünscht man niemandem. Nicht meinem größten Feind! Und ich bete auch gern mal für das russische Tinderdate, das er in diesem Moment hat, damit sie das nicht auch bekommt.

Ich praye aber auch eine große Runde für mich, damit das bald verschwindet. Nur das Selbstmitleid, in dem ich gerade dank PMS bade, das kann noch eine Weile bleiben -finde ich. Da suhle ich mich nochmal drin, kippe eine große Flasche "Niemand-will-mich-Badeshampoo" dazu und kaufe mir anschließend einen veganen, gluten- und zuckerfreien warmen Brownie mit Kokosnusseiscreme oder doch das kleine süße Armband mit dem rosafarbenen Stein? Vielleicht auch einfach beides. Wenn's um Gefühle geht, bin ich Experte! 

 

"Love" erklärt sich nun von selbst oder? Ich habe mich da einfach mal verguckt. Verguckt ist genau die richtige Beschreibung, denn er fällt nicht in mein Beuteschema. Bisschen nerdy. Einmal nicht richtig hingesehen, hat man sich schon verguckt. Das Problem ist, ich habe mich zwar verguckt, aber er sich nicht. Ich bin nämlich nicht sein Typ. Schwer vorstellbar (stell dir ein divenhaftes Gif vor -Rihanna wie sie sich die Haare nach hinten wirft oder so). Sein Typ sind dunkelhaarige Russinnen. Am besten lesen die in ihrer Freizeit nur langweilige Bücher. Sind ganz dünn, nicht schusselig, aber dafür ordentlich. Gehen nicht feiern, sondern lieber wandern, segeln oder tauchen. Machen beruflich auch irgendwas IT-10101-mäßiges. Tragen bunte, gehäkelte Hosen und verstehen den Hype hinter "Game of Thrones" inklusive aller Aufregung der letzten Folge.

Neuerdings gehören aber auch blonde Russinnen dazu, die aussehen, als hätten sie die Hauptrolle in einem Schulmädchenporno ergattert. In dieser Hinsicht bin ich eigentlich ganz froh, nicht sein Typ zu sein. Die einzige Parallele, die ich zu mir ziehen könnte -ich lese auch gern, die InStyle. Tauchen geht so, es sei denn ich könnte das nun in meinem neu erlangten Selbstmitleid. 

 

Demnach bin ich nicht in der "Heiße-Russin-mit-der-ich-wilden-Sex-haben-und-mich-Disneylike-verlieben-will-Zone" sondern in der ganz schnöden Friendzone! Irks. Manchmal hält er mir die Ghettofaust hin. Im Ernst? Ich bin bestimmt vieles, aber keine "Ghettofaust-Friendzone-Frau". In meiner Welt sind Ghettofaust-Friendzone-Frauen die, die in Boxershorts mit Simpsons Aufdruck schlafen. Die haben früher Comics gelesen (nicht die von Wendy). Die machen Crossfit, trinken auf jeden Fall sehr viel Bier, spielen Computerspiele, tragen keine Wimperntusche -Nagellack sowieso nicht- dafür aber Basecaps und weite Hosen, um ihre behaarten Beine zu verdecken. Sorry, ich habe da gerade mal in meiner Klischeekiste gewühlt. Leider sind die Ghettofaust-Momente so ziemlich der einzige Körperkontakt, der mir bleibt. Also nehme ich diese und halte ihm meine andere Faust auch noch hin.

 

Wie komme ich nun aus dieser Friendzone raus? Sollte ich es mal mit  "Allo lass Russkinowina wied'r nach Moskow fliegähnn" versuchen (habe versucht hier einen russischen Akzent einzubauen) und "'ol mich in dein Bättt dawai dawai!" Das Problem ist: Er will mich gar nicht in die Russinnenzone schicken! Es scheint als hätte ich Urlaub eingereicht, Koffer gepackt und wäre jetzt bereit mal ein paar Tage Lovinska zu machen, nur das Visum, das bekomme ich nicht. Witzig, da haben doch sonst eher die Russen Probleme mit. Vielleicht sollte ich mir etwas von den Russinnen abschauen? Oder von Putin? Der ändert gerade seine Taktik gegenüber Weißrussland, vielleicht sollte ich meine Taktik auch mal ändern? Vielleicht muss ich mich nur hartnäckig an ihn ranmachen?

 

Aber wenn ich meine Taktik ändere, werde ich dann zum Babitsch?!? Man sagt der sei ein harter Hund- also doch hartnäckiger werden? Das Außenministerium hat Babitsch einen "Zerstörer freundschaftlicher Beziehungen" genannt. 

Ja, davor habe ich Angst! Denn ehrlich gesagt traue ich mir manchmal selbst nicht, wenn es um meine Gefühle geht. Falls man von der Friend- in die Russinnenzone wandert, frage ich mich, ob es wieder einen Weg zurück gibt? Nämlich dann, wenn es scheißinowska läuft. Oder spätestens dann, wenn ich merke, dass so ein paar Tage Russland ganz nett sind, aber die Welt hat ja bekanntlich viele schöne Ecken.

Außerdem hat sich das sowieso erledigt, denn er hat schließlich klare Vorstellungen von seiner Traumfrau (der Typ, nicht Babitsch -also Babitsch vielleicht auch, aber den hab ich noch nie gefragt). Vielleicht sollte ich ihm erklären, dass das kompletter Humbuk ist. Bei der Gelegenheit könnte ich dann auch direkt die Einfuhr von großen russischen Melonen in seine Villa verbieten, wie es Russland mit der Einfuhr von Früchten und Gemüse aus dem Nachbarland getan hat. Jetzt sitze ich hier in Ubud und google "Love Russia". Wenn ich mich genug in das Thema einarbeite, an meiner putinistischen Überzeugungskraft arbeite, so hartnäckig werde wie Babitsch, unsere Drinkanzahl erhöhe, sowohl mein Äußeres, als auch mein Inneres ändere, eine Freundschaft auf's Spiel setze, dann wird das vielleicht doch noch eine Lovinska. Klüger wäre es auf jeden Fall nach Lovina zu fahren. Lovina ist ein Ferienort an der Nordküste Balis. Keine Russen, dafür umso mehr Delfine. Für Lovina brauche ich weder ein Visum, noch muss ich etwas an mir verändern. Man soll ja der Liebe gegenüber offen sein. Und wenn's nicht Lovinska wird, dann eben Lovina!

 

 

 

 

 

 

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