© 2023 by inthemiddleofthebed

  • Facebook Social Icon
  • Twitter Social Icon
  • Google+ Social Icon

Warum Weihnachten als Single wie ein Besuch im Jobcenter ist

December 26, 2019

 

Wenn du über 30 und Single bist, dann ist Weihnachten nur noch halb so lustig - jedenfalls in meiner Familie. Ein dickes Fell genügt da nicht. Da brauchst du ein dickes Fell mit Giftstacheln, Panzer und klar Alkohol ist nicht die Lösung -  aber in diesem Fall kann er auch nicht schaden.

 

Bis vor zwei Tagen wusste ich nicht, dass mein Leben keinen Sinn ergibt. Single und Kinderlos - mit 31 Jahren.  Meine Mutter wird nicht müde mir das zu erzählen und erinnert fast an eine Betreuerin vom Arbeitsamt. In ihren Augen bin ich nach zwei Jahren eine der Langzeitpartnerlosen und quasi schwer vermittelbar. Dass es hier und da auch mal einen Minijob gab, spielt keine Rolle. Nur Vollbeschäftigungen mit Aussicht auf Kinderbetreuung zählen. 

 

Wie das beim Arbeitsamt so ist, arbeitet da keiner allein. In meinem Fall gab es Unterstützung von meiner Oma. Jetzt sollte ich doch wirklich mal in die Puschen kommen, meint sie, denn mit ihren 95 Jahren verrent die Zeit und sie würde doch so gern noch meine Beförderung - Pardon Hochzeit - miterleben. 

 

Jedes gute Jobcenter bietet Hilfe an, so auch dieses und sie gab mir direkt eine kostenlose Beratungsstunde. Bei der ausführlichen Analyse meiner Skills schnitt ich schlechter ab als gedacht. Anstatt erfreut über meinen  Bildungsabschluss in die Hände zu klatschen, bescheinigte sie mir erhebliche Mängel was die Kernkompetenzen für eine glückliche Beziehung angeht. Ich kann weder Fleisch noch Fisch zubereiten -geschweige denn essen. Ihrer Meinung nach war das auch der Kündigungsgrund für meine letzte Beziehung. Die einzige Chance nun endlich einen guten Partner zu finden hätte ich durch eine Weiterbildungsmaßnahme - in ihrer Küche. Dass sich der Markt in den letzten 75 Jahren doch leicht verändert hat und ich auch Joberfahrung besitze, die für Beziehungen relevant sein könnte, behielt ich erstmal für mich - mit seinen Betreuern sollte man sich nicht anlegen. 

 

Nachdem nun klar war wo meine Stärken und Schwächen liegen schaltete sich auch meine Tante ein - quasi als direkt Jobvermittlerin. Sie übernahm mein Tinderkonto. Kennen wir nicht alle die Geschichten bei denen arbeitslosen BWL Studenten vorgeschlagen wird, sie sollten bei REWE Regale einräumen oder Doktoranden Laub im Park sammeln?

 

Nun ja, am nächsten Tag schrieb mir freudig Samujji aus Bangalore, der im Januar 2020 nach Berlin zieht und es kaum erwarten kann mich kennen zulernen....Auch Tim 32, mit deutlich mehr Bart als Gesicht, der von Beginn an klar stellen wollte, dass es ihn nur mit seinen beiden Katzen gibt, konnte mich nicht überzeugen. Dann gab es noch Sven 35, der mit seinem dicken Bauch und dem gestreiften Wollpullover tatsächlich aussieht, als würde er beim Jobcenter arbeiten und lauwarmen Filterkaffee aus bedruckten Werbetassen trinken--

 

Ahh, ich kann mir schon denken was da jetzt in den Köpfen vorgeht! Die will doch gar keinen festen Job! Die liegt doch den ganzen Tag nur faul auf der Couch! Die muss doch mal aktiv werden, Initiative ergreifen - sonst wird das nichts! 

 

Ja klar, das stimmt. Aber es muss auch mal gesagt werden, dass diese ganzen Bewerbungsverfahren auch anstrengend sein können und zeitaufwendig sind. Wie häufig wird in der Jobanzeige geflunkert und am Ende stellt man fest die Realität sieht ganz anders aus? Knifflig wird es auch wenn es darum geht warum die Stelle plötzlich frei ist? Warum man nicht mehr für den alten Arbeitgeber tätig ist? Wer hier falsch antwortet ist raus. Und wie sieht es eigentlich mit den vermögenswirksamen Leistungen aus? Wie viele Bewerber gibt es noch auf diese eine Stelle und wann beschließen beide, dass es nun genug mit der Probezeit ist?

 

Meistens merkt man doch schon vorher, dass hier zwar von perfekten Chancen geredet wird, die Realität aber anders aussieht und das das Ganze nicht einmal für ein Praktikum reichen würde und schon gar nicht für ein unbefristetes Verhältnis.

 

Weihnachten ist nun fast rum und ich habe ein Jahr lang Zeit, um aus dieser Statistik rauszukommen. Die Chancen stehen ganz gut, denn wie heißt es so schön: wer in einer Maßnahme steckt, der ist nicht arbeitslos. Also werde ich einfach wieder anfangen zu Daten. Glücklicherweise wurde mir von meinen Betreuern noch kein Kontingent auferlegt, das es zu erfüllen gibt. Fall es bis zum nächsten Weihnachtsfest nicht klappt, kann ich immer noch eine Umschulung machen und lesbisch werden.

 

 

 


 

 

 

 

 

 

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload

Aktuelle Einträge

October 5, 2019

February 8, 2019

January 14, 2019

October 3, 2018

Please reload

Folgen Sie uns!
  • Facebook Basic Square
  • Twitter Basic Square
  • Google+ Basic Square