Mein Schlachtplan





Man sagt im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt. Und sowohl in der Liebe als auch im Krieg bleiben wir verwundet zurück. Damit mir das nicht passiert, habe ich einen Schlachtplan entwickelt. Diesen unbewusst perfektioniert und mich am Ende selbst damit überrascht. Denn ich dachte immer, strategisches Handeln sei nicht meine Stärke ...


Ich habe vor ein paar Monaten einen Mann getroffen - den Stripper. Nein, er ist keiner, aber mit ein paar Dollarscheinen im Schlüppi, einer Amerika Flagge und ein bisschen Kokosöl könnte er locker bei den Chippendales anheuern. Während unseres ersten Dates war ich genervt von ihm und seiner Prahlerei, aber gleichzeitig ziemlich angetan von seinem Aussehen. Beim zweiten Date haben wir miteinander geschlafen und es war großartig. Wir Frauen wissen, dass das nicht immer der Fall ist, also wollte ich ihn "behalten". Mit jedem weiteren Treffen mochte ich ihn mehr. Je besser ich ihn kennenlernte, desto mehr merkte ich, wie ähnlich wir uns sind. In manchen Dingen könnte man meinen, er ist wie ich - als Mann. Gäbe es eine weibliche Version von ihm, dann wäre ich das. Ich fand ihn immer toller - klar, ich finde mich auch toll. Bis auf ein paar Kleinigkeiten, die mir gefehlt haben und das hat mir die ganze Zeit eine kleine, leise Stimme in meinem Kopf zugeflüstert. Aufgepasst - das ist ein nicht unerheblicher Teil meines Schlachtplans! Trotzdem habe ich mich mehr und mehr auf ihn eingelassen und den Anflug von verknallt sein gefühlt. Weil ich es tatsächlich war oder es einfach wollte? Das Ganze ging 3-4 Monate. Er hat meine Freunde kennengelernt, ich seine. Er hat von gemeinsamen Urlauben gesprochen, davon, dass er gern wieder eine Beziehung hätte und mir viel zu häufig unter die Nase gerieben, dass sein Freund mich bei Tinder gesehen hätte. Den kleinen Panikkloß, den ich dabei gefühlt habe, habe ich heruntergeschluckt. Ebenso wie diese Stimme, die mir nun mehr und mehr Dinge zuflüsterte. Psst, kann die nicht ruhig sein? Ich habe mich doch verknallt, oder? Denn ich mag ihn wirklich. Na gut, mir fehlt ein bisschen Humor und mir fehlen auch Gespräche, die etwas tiefer gehen. Ich weiß, dass meine Eltern ihn nicht mögen würden - warum stört mich das eigentlich? Mir fehlt vielleicht auch ein bisschen Offenheit ..., aber darüber gehe ich erst mal hinweg. Warum? Ja, auch das ist Teil meines Schlachtplans.


Jetzt hat er mir gesagt, dass er eine andere Frau kennengelernt hat. Er möchte loyal sein und nicht mehr mit mir schlafen. Er mag mich aber so gern, dass er sich freuen würde, wenn wir weiterhin gemeinsam Dinge miteinander unternehmen. Das finde ich sehr ehrlich und ich schätze seine Offenheit. Denn offen gestanden war ich in den letzten Monaten nicht so loyal wie er. Überraschung - auch hier habe ich mich an meinen Schlachtplan gehalten.


„Wie fügt sich das nun alles zusammen und was kannst du hieraus lernen“, fragst du dich?


Wenn man sich dazu entschließt, nur eine Person zu Daten, sich verliebt und all in geht, dann ist so eine Nachricht sehr verletzend. Dann tut es richtig weh. Man ist danach verwundet und braucht Zeit, um sich davon zu erholen. Richtig erkannt. Das war nicht mein Schlachtplan!


Mein Schlachtplan sieht nämlich so aus: 1. Date mehrere Personen 2. Genieß die Zeit 3. Lass dich nur auf die ein, bei denen du weißt, dass sie dir nicht "gefährlich" werden können. Die, bei denen du weißt, du kannst für sie schwärmen, aber du würdest nie echte Gefühle für sie entwickeln, weil dir etwas fehlt.


Ich merke gerade, dass mein Schlachtplan aufgegangen ist. Ich wollte die Schlacht nie gewinnen und deshalb ist maximal mein Ego ein Stück angekratzt und das war es auch schon. Ok, und ich finde es schade um den Sex und diesen wunderbaren Männerkörper. Diese Dirty Dancing Szene aus Crazy, stupid love mit Ryan Gosling? Ich sag nur: "Emma Stone, I feel you!"


Man sagt, dass Menschen nicht ohne Grund in unser Leben treten. Eine Sache habe ich nun auf jeden Fall gelernt. Pat Benatar hat Recht - Love is a Battlefield und Schlachtpläne funktionieren. Aber ich habe mir vorgenommen, den Teil meines Lebens ab sofort so planlos anzugehen, wie alle anderen auch.


Ich glaube, das wird nicht leicht und auch nicht sofort klappen, aber jetzt habe ich immerhin einen sinnvollen Vorsatz für 2021. Im letzten Jahr musste ich dank Corona schon so viele Pläne über Bord werfen, das sollte Übung genug sein, um jetzt auch Schlachtpläne über Bord zu werfen. Mein zweiter Vorsatz sollte dann wohl eine Erste-Hilfe Kurs werden. Nur falls ich dann am Ende verwundet zurückbleibe.


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